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STÄNDIG AKTUELLE NACHRICHTEN AUS CHRISTLICHER WELT

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Newsletter Nr. 81 vom 27. Mai 2009

Liebe Abonnenten der Betanien-Nachrichten,
hier erhalten Sie wieder Informationen über interessante Buch-Neuerscheinungen und -Sonderangebote. Außerdem eine ausführliche Berichterstattung zur Nahostreise von Papst Benedikt XVI. Bitte beachten Sie auch die Einladung zur 1. Betanien-Konferenz am 12. September 2009.
Herzliche Grüße, Hans-Werner Deppe

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Der Papst in Nahost: Brückenbauer der Religionen
Im Blickpunkt der Berichterstattung dieses Newsletters steht die Nahostreise von Papst Benedikt XVI, die seine bisher wohl bedeutendste Reise war: Vom 8. bis 11. Mai besuchte er Jordanien, vom 11. bis 15. Mai Israel und das Westjordanland. Er war der erste Papst, der den muslimischen Felsendom in Jerusalem betrat. Ich möchte diese Reise und deren Wirkung einmal besonders dokumentieren, um durch diese Fokussierung einen intensiven und treffenden Eindruck zu vermitteln, welche Rolle die Kirche Roms im Weltgeschehen spielt und wie sie geistlich zu beurteilen ist.
Besonders heikel der Reise war die aktuelle Situation, die die Reise für den Papst zu einem Drahtseilakt machte: Papst Benedikt hatte in seiner bisherigen Amtszeit für Unmut sowohl unter Muslimen – durch seine Regensburger Rede – als auch unter Juden – durch die Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners und die Neuformulierung der anstößigen Karfreitags-Fürbitte für die Erleuchtung der Juden – gesorgt. Daher stand seine Nahostreise ganz im Zeichen der Besänftigung und Versöhnung der „drei abrahamitischen Religionen“ und der erneuten Beflügelung des interreligiösen Dialogs. Er selbst bezeichnete seine Reise als „Friedensmission und Pilgerfahrt“. Jordanien bezog er dabei als Pilgerstätte und „Heiliges Land“ mit ein.
In Israel und dem Westjordanland lebt nur eine katholische Minderheit von knapp 2%, die gleiche Prozentzahl gilt für Jordanien, wo sunnitische Muslime 96% der Bevölkerung ausmachen. Nichtsdestotrotz wurde der Papst von der breiten Bevölkerung, Presse und politischen Führung als willkommener Gast gefeiert, abgesehen von einigen kritischen Pressereaktionen in Israel. Als Quellen für die folgende Dokumentation wurden die Meldungen von Radio Vatikan, Zenit.org und „Jesus.de“ herangezogen

Jordaniens Bedeutung für Ökumene und Weltfrieden
In Jordanien wurde der Papst zu Beginn seiner Nahostreise von König Abdullah II. und seiner Frau Königin Rania empfangen. Jordanien wurde vom Vatikan als „Tor des Friedens“ zum Nahen Osten als Reiseziel gewählt, weil es vom Vatikan als derzeit friedvollstes Nahostland angesehen wird. Jordanien obliegt auch die Verwaltung des Tempelbergs in Jerusalem. Bedeutungsvoll ist die wichtige Rolle von König Abdullah II. für den interreligiösen Dialog: Im Jahr 2004 erließ er die „Botschaft von Amman“, die Muslime zum Verzicht auf Extremismus aufruft und Christen und Juden zum Dialog einlädt. Zudem ist der Berater von Abdullah II., Ghazi bin Muhammed der Koordinator des von 138 islamischen Gelehrten unterzeichneten offenen Briefes an den Papst und die Christenheit, der als versöhnliche Reaktion auf die Attacken nach der Regensburger Rede veröffentlicht wurde (wir berichteten am 29.11.07, siehe http://www.betanien.de/verlag/newsletter/newsletter.php?id=65). Auch der führende und weltpolitisch engagierte Evangelikale Rick Warren unterhält gute Beziehungen zu Jordanien und König Abdullah II.
Der Papst würdigte vor dem König die Bemühungen Jordaniens für den Frieden in Nahost und für den interreligiösen Dialog. Alle Ansprachen von Papst, Politikern und Religiönsführern in Jordanien waren von Ermutigung zum ökumenischen Dialog und Frieden geprägt.
Seine Aussagen vor führenden Muslimen wurden von Radio Vatikan „als respektvoller Dialog auf hohem Niveau“ bezeichnet. In der König-Hussein-Moschee in Amman, der größten Moschee Jordaniens, sprach der Papst vor muslimischen Führungspersönlichkeiten, darunter Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal, einen der Hauptinitiatoren des im Jahr 2007 von muslimischen Gelehrten verfassten offenen Briefes an den Papst und die christlichen Gemeinschaften. Papst Benedikt XVI. betonte den gemeinsamen Auftrag von Muslimen und Christen für den Weltfrieden und erklärte: Diese beiden großen Religionen verstünden die menschliche Vernunft beide als „Gabe Gottes“. Daher sei es die gemeinsame Herausforderung von Christen und Muslimen, das „Potential“ dieser menschlichen Eigenschaft durch „Glaube und Wahrheit zum Guten heranzubilden“. (Der Bibel zufolge ist der Mensch jedoch – solange er nicht an Jesus als Gottes Sohn glaubt - am Verstand verfinstert – Eph 4,18 u.v.a.). Der Katholizismus hat mit den anderen Religionen gemein, dass er die in der Bibel gelehrte völlige Verdorbenheit des Menschen leugnet und daher einen Weg der Selbsterlösung (oder Mitwirken an der Erlösung) bzw. menschlich errungenen Weltfriedensreichs erstrebt.

Neue Universität als Zentrum des Religionsdialogs
Bei seinem Besuch der im Bau befindlichen ersten katholischen Universität Jordaniens in der jordanischen Stadt Madaba (an der Grenze zum Westjordanland) betonte Papst Benedikt, Bildung sei ein wirksames Mittel des Friedens und Dialogs. Der Papst segnete auf der Baustelle den Grundstein des zukünftigen Lehrstuhls. Bis zu 3.000 Studenten sollen hier ausgebildet werden. Die Universität soll neben der christlichen Minderheit in Jordanien ebenso den Muslimen offenstehen. Dem Papst zufolge bringe Bildung die Studenten in Kontakt mit ihrem kulturellen Erbe und die Universität sei „Ort des Dialogs“. Der Papst sagte:
„Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Universität, die nicht nur eine Plattform für die Festigung der Bindung an Wahrheit und an die Werte einer gegebenen Kultur, sondern einen Ort des Verständnisses und des Dialogs darstellt. Indem sie ihr eigenes Erbe in sich aufnehmen, werden junge Jordanier und andere Studenten der Region zu einer tieferen Kenntnis der Errungenschaften der Menschheit geführt, bereichert durch andere Standpunkte und in Verständnis, Toleranz und Friede geformt.“

Der Vatikan und der Islam – ein Überblick
Die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) fasts die Beziehungen zwischen römisch-katholischer Kirche und Islam wie folgt zusammen (zitiert von Radio Vatikan):
»Der Heilige Stuhl unterhält mit 37 überwiegend islamisch geprägten Staaten und Organisationen volle diplomatische Beziehungen, die frühesten seit der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Erstes Land war 1947 der Libanon; zuletzt folgten 2007 die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit Saudi-Arabien bestehen weiterhin keine diplomatischen Beziehungen.
Eine wichtige Rolle spielt der „Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog“. Seit 2007 leitet ihn der französische Kardinal und frühere Diplomat Jean-Louis Tauran. Der Rat trifft sich regelmäßig mit Spitzenvertretern anderer Religionen, darunter auch islamischen Geistlichen. Ihm angegliedert ist seit 1974 eine eigene „Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Muslimen“.
Auf religiöser und politischer Ebene wurden die Beziehungen vor allem unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) fortentwickelt. Höhepunkte waren die Papstpredigt vor muslimischen Jugendlichen in Casablanca (1985), das interreligiöse Friedenstreffen von Assisi (1986), an dem auch zahlreiche islamische Würdenträger teilnahmen, sowie der Besuch des Papstes in der Omajjaden-Moschee von Damaskus (2001).
Sein Nachfolger Benedikt XVI. führt den Dialog mit dem Islam fort. Für eine weltweite Diskussion sorgte 2006 seine Vorlesung an der Universität Regensburg. Muslime sahen durch ein historisches Zitat den Propheten Mohammed beleidigt. Mit einer Dialog-Offensive und einer Papstreise in die Türkei Ende 2006 glättete der Vatikan die Wogen. 2008 gab das neu gegründete „Katholisch-Muslimische Forum“ in Rom erstmals eine gemeinsame Erklärung katholischer und islamischer Theologen heraus, ein Bekenntnis zu Religionsfreiheit und Gewaltlosigkeit.«

Benedikt XVI. blickt wie Mose nach Israel
Zur Jordanienreise des Papstes gehörte am 9. Mai auch der Besuch eines bedeutenden historischen biblischen Ortes, des Berges Nebo, von wo ein Moses ins Gelobte Land blickte, bevor Israel dort einzog. Für viele überraschend, rief der Papst bereits dort, auf jordanischem Gebiet, zur Versöhnung zwischen Christen und Juden auf: „Unsere heutige Begegnung schenke uns … ein Verlangen, alle Hindernisse auf dem Weg der Versöhnung zwischen Christen und Juden in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit im Dienst des Friedens, zu dem uns das Wort Gottes ruft, zu überwinden!“
Was meint der Papst mit „Hindernissen auf dem Weg zur Versöhnung“? Ist mit Versöhnung lediglich ein gewaltfreies Miteinander (welches für Christen selbstverständlich ist) oder eine weitergehende Verbrüderung gemeint? Gehören zu den „Hindernissen“ zu einer solchen weitreichenden Versöhnung nicht auch die Grundelemente des Evangeliums dazu – insbesondere, dass Jesus der Messias, Sohn Gottes ist einziger Erlöser ist? Würde der Papst bei der Gottheit und Gottessohnschaft Jesu nicht so dogmatisch sein, wäre tatsächlich der Hauptunterschied schlechthin zwischen Judentum, Islam und Christentum ausgeräumt. Tatsächlich war es ein quasi christusloses „Christentum“, das der Papst auf seiner Nahostreise vor den Vertretern anderer Religionen präsentierte.
Manche Aussagen des Papstes über das Erstreben eines irdischen Friedensreiches erinnern an die Emerging-Church-Bewegung oder der evangelikalen Micha-Initiative – und deren geistige Verwandtschaft wird hier deutlich. So sagte er auf dem Berg Nebo: „Wir haben den Auftrag, durch unsere Nächstenliebe, unseren Dienst an den Armen und unser Bemühen, Sauerteig der Versöhnung, der Vergebung und des Friedens in der Welt um uns zu sein, zum Kommen des Reiches Christi beizutragen.“
Radio Vatikan schrieb: „Das Bild, das vom Papst-Besuch in Jordanien bleibt, das wird wohl „Benedetto auf dem Berg Nebu“ sein, der wie Moses sehnsüchtig in Richtung Jerusalem blickt.“

Der Papst in Israel
Am Flughafen von Tel Aviv wurde der Papst von Israels Staatspräsident Shimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanjahu begrüßt. Auch hier betonte er in seiner Ansprache sein Reiseanliegen „für Einheit und Frieden für den Nahen Osten und die ganze Menschheit“. Auch Peres hob die Friedensmission des Papstes hervor: Seine „Reise im Dienst des Friedens“ solle dazu dienen, „die Saat der Toleranz zu streuen“.
In Israel ging man nicht ganz so unverkrampft wie in Jordanien mit dem Papstbesuch um. Die Staatsführer Peres und Netanjahu wirkten sichtlich nervös. Die größte Aufmerksamkeit unter den Juden in Jerusalem zog indessen wohl die stark gestörte Verkehrssituation auf sich, eine Folge der massiven Sicherheitsvorkehrungen – ab gesehen von den vielen gut sichtbar platzierten Postern mit der Aufschrift „Willkommen, Benedikt XVI.“. Die Christen in Jerusalem waren sogar aufgefordert worden, aus Sicherheitsgründen während des Papstbesuches in ihren Häusern zu bleiben. Der Tempelberg wurde für Besucher komplett gesperrt.
An der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verurteilte der Papst einerseits jeglichen Antisemitismus (manche beurteilten dies aber als halbherzig) und sprach sich andererseits für eine Zwei-Staaten-Lösung in Palästina aus.
Vor Verantwortlichen für den interreligiösen Dialog betonte der Papst die Gemeinsamkeiten der Religionen. Bei diesem Treffen kam es zu einem Zwischenfall, als der muslimische Beauftragte für den interreligiösen Dialog, Scheich Tamimi, unvorgesehen das Wort ergriff, scharf den Staat Israel angriff und für Jerusalem als ewige Hauptstadt seines palästinensischen Volkes plädierte.
In einem Gespräch mit Oberrabbinern würdigte der Papst die bisher erreichten Fortschritte im interreligiösen Dialog. Er wies auf das 2. Vatikanische Konzil hin, das zur Versöhnung zwischen Juden und Christen verpflichte, und sagte: „Ich versichere euch meines Wunsches, das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl, dem Oberrabbinat von Israel und dem jüdischen Volk weltweit zu vertiefen. … Ich vertraue darauf, dass unsere Freundschaft sich auch weiterhin als ein Beispiel des Vertrauens und des Dialogs für die Juden und die Christen auf der ganzen Welt präsentiert.“

Drei Religionen: Felsendom, Klagemauer, Abendmahlsaal
Am 12. Mai besuchte Benedikt XVI. als erster Papst überhaupt den muslimischen Felsendom und hielt eine Ansprache vor dem Großmufti Mohammed Hussein. Er sagte, diese heilige Stätte der Muslime sei ein „Ansporn, Missverständnisse und Konflikte der Vergangenheit zu überwinden“ und in einen „ehrlichen Dialog zum Aufbau einer Welt der Gerechtigkeit und des Friedens“ einzutreten. Im Gegensatz zu seinem Besuch der Hussein-Moschee in Amman zog der Papst seine Schuhe aus, bevor er das älteste islamische Sakralgebäude berat.
Anschließend pilgerte der Papst zur Klagemauer. Hatte die jüdische Verwaltung kürzlich noch einer Bischofsdelegation untersagt, mit Brustkreuzen an die Klagemauer heranzutreten, wird dies beim Papst zur scheinbar selbstverständlichen Ausnahme. In eine Ritze der Klagemauer steckte er nach jüdischem Brauch einen Zettel mit einem Gebet zum „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ um Frieden „für den Nahen Osten und die ganze Menschheitsfamilie“. Hier unterhält er sich zwanglos mit Arthur Schneier, einem prominenten Holocaust-Überlebenden und führenden Rabbiner, der sich für weltweite Verständigung und Toleranz einsetzt und den Radio Vatikan als „Freund des Papstes“ bezeichnet
Im so genannten Abendmahlsaal (aus dem 14. Jhdt.) in Jerusalem betete der Papst mit Ordensleuten das Stundengebet „Regina Coeli“ („Königin des Himmels“, vgl. Jer 7,18; 44,17ff) und die Ordensleute sangen zum Einzug des Papstes „Veni Creator Spiritus“ (ein Herbeirufen des Hl. Geistes).
Der „Abendmahlsaal“ befindet sich bemerkenswerterweise im 1. Stock eines Gebäudes, in dessen Erdegeschoss sich ein jüdisches Heiligtum, das angebliche Grab David, befindet, um auf dessen Dach eine Moschee ist. Aufgrund dieser heiklen Lage hat der Staat Israel das Besitzrecht an den Räumlichkeiten bisher nicht an die Kirche abgetreten.
Am Vormittag des 12. Mai schaffte der Papst somit das Kunststück, in die Welten der drei abrahamitischen Religionen einzutauchen: Innerhalb weniger Stunden zelebrierte er im Felsendom, an der Klagemauer und an christlichen „Heiligtümern“. Radio Vatikan dokumentierte: „Der Vormittag wirkte wie Papstbesuche in drei verschiedenen Welten: Erst ein Termin auf dem islamischen Tempelberg, Benedikt umgeben von muslimischen Würdenträgern, die ihm die goldene Kuppel des Felsendoms erklären. Danach der Papst mit gefalteten Händen an der Klagemauer und, von Juden mit Kippa umgeben, im Großrabbinat. Und drittens ein etwas steifer Termin mit lauter Franziskanern im Abendmahlssaal, wieder mit Papstrede und mit einem gesungenen „Regina Coeli“, und zu guter Letzt dann ein Abstecher in die so genannte „Lateinische Konkathedrale“. Drei Welten, die räumlich ganz nahe beieinander liegen, aber schon visuell und erst recht religiös völlig verschieden voneinander sind. Das merkt man auch an den Sprachen: Arabisch auf dem Tempelberg, Hebräisch 15 Meter tiefer an der Klagemauer, englisch und italienisch dann ein paar Kilometer weiter im Abendmahlssaal.“
Am Nachmittag desselben 12. Mai zelebrierte der Papst eine Messe am Ölberg. Bei seiner Ansprache sagte er, Jerusalem sei ein Modell für einen weltweiten Friedensprozess: „Als Mikrokosmos unserer globalisierten Welt muss diese Stadt, wenn sie ihrer universalen Berufung gerecht werden will, ein Ort sein, der Universalität, Achtung der anderen, Dialog und gegenseitiges Verständnis lehrt. Sie muss ein Ort sein, an dem Voreingenommenheit und Unwissen sowie die Furcht, die sie nährt, durch Ehrlichkeit, Integrität und Streben nach Frieden überwunden werden. Innerhalb dieser Mauern darf es keinen Platz geben für Gewalt, Engstirnigkeit, Unterdrückung und Rache. Alle, die an einen gnädigen Gott glauben – seien sie Juden, Christen oder Muslime – müssen als erste diese Kultur der Versöhnung und des Friedens fördern.“

In Bethlehem und Nazareth: interreligiöses Friedenslied
Den 13. Mai hatte der Papst ganz den Palästinensern und ihren Autonomiegebieten gewidmet. Angesichts der acht Meter hohen Sperrmauer in Bethlehem rief der Papst erneut zu einem Ende von Intoleranz und Ausgrenzung auf, verurteilte die Existenz der Mauer und betonte das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat in friedlicher Nachbarschaft zu Israel. Die Christen bzw. Katholiken in Nahost forderte er auf: „Seid eine Brücke des Dialogs!“ Seine irdische Heilsperspektive erinnert jedoch eher an New Age als an biblisches Christentum: „Eure Heimat braucht … eine neue ‚spirituelle‘ Infrastruktur, die in der Lage ist, die Energien aller Menschen guten Willens im Dienst der Erziehung, der Entwicklung und der Förderung des Gemeinwohls zu beleben. Ihr habt die menschlichen Ressourcen, um jene Kultur des Friedens und der gegenseitigen Achtung zu bauen, die eine bessere Zukunft für eure Kinder gewährleisten kann.“ Übrigens sind das die gleichen Gedankengänge der Emerging Church Bewegung, deren spirituelle Wurzeln offenbar die gleichen sind.
In einem palästinensischen Flüchtlingslager in Bethlehem sprach er u.a. vor Uno-Repräsentanten und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und rief abermals zu Frieden und Versöhnung auf.
Auch in Nazareth betete der Papst mit Religionsführern für Frieden. Nach dem offiziellen Teil der Begegnung stimmte ein Rabbiner ein Friedenslied an und der Papst erhob sich spontan von seinem Sitz auf dem Podium, fasste seine Platznachbarn, einen Rabbi und einen Muslim, bei den Händen und sang mit: „Salam, Shalom, Lord grant us peace“.
Und wieder war sein Tenor der Aufruf zur Gestaltung einer interreligiösen „besseren Welt“. Er sagte: „Christen verbinden sich bereitwillig mit Juden, Muslimen, Drusen und Menschen anderer Religionen im Wunsch, Kinder vor Fanatismus und Gewalt zu schützen, wenn sie sie zu Gestaltern einer besseren Welt erziehen.“ Und: „Ich ersuche die Menschen guten Willens … in der Treue im Glauben an den einen Gott, den Vater der Menschheitsfamilie, Brücken zu bauen und den Weg zu einem friedlichen Zusammenleben zu finden.“

Fazit
Als Fazit der Nahostreise ist zu sagen, dass sich die Beziehungen der drei Religionen dadurch tatsächlich entspannt haben und der interreligiöse Dialog neu beflügelt wurde. Es hatte Befürchtungen gegeben, durch undiplomatische Aussagen des Papstes könnte ein „zweites Regensburg“ weitere Spannungen auslösen, aber das Gegenteil ist eingetreten. Der Papst hat sich wieder als das erwiesen, was dieser Amtsträger seit jeher ist: als „Pontifex Maximus“, „großer Brückenbauer“, nicht zuletzt zwischen den Religionen. Das ist umso bemerkenswerter, als gerade dieser Papst Benedikt XVI. als dogmatischer „Hardliner“ bekannt ist. Dass ein „weich“ anmutender Papst wie sein Vorgänger Johannes Paul II. einen „Schmusekurs“ mit den Religionen betrieb, verwunderte weniger. Aber wenn selbst dieser jetzige Papst mit schmeichelnden Worten eine interreligiöse Ökumene vorantreibt, ist klar: Die Verbundenheit der Religionen ist katholisches Grundanliegen. So sagte der Leiter des Päpstlichen Dialogrates, Kurienkardinal Tauran, im Rückblick auf die Papstreise: „Der interreligiöse Dialog ist eine der Prioritäten dieses Pontifikats geworden.“ Ihr Führungsmonopol unter den Weltreligionen und ihren Anspruch, die einzig wahre Religion (die alle anderen Religionen in sich einverleibt) zu sein, wird Rom allerdings nicht aufgeben. Letztlich braucht sich dies nicht erst noch durch eine spektakuläre Zuspitzung verwirklichen (wie manche Endzeit-Experten spekulieren), sondern ist schon eh und je Fakt, seit z.B. in der antiken Kirche Isis und Osiris kurzerhand in die „Madonna mit Jesuskind“ umbenannt wurden. Die römische Kirche vereint „christliches“ mit Heidnischem ebenso wie mit Antichristlichem (Leugnung der Gottheit Jesu) und heilsgeschichtlich überholtem Unglauben. Warum wird dieses offenkundige „Geheimnis Babylon“ sogar unter Bibeltreuen so wenig durchschaut? Ich hoffe, dass diese Berichterstattung etwas zur Aufklärung beigetragen hat.
Einen Überblick an Literatur zum Thema Katholizsmus bieten wir an in unserer Onlineshop-Rubrik Zeitkritik/Apologetik > Katholizismus


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