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STÄNDIG AKTUELLE NACHRICHTEN AUS CHRISTLICHER WELT

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Newsletter Nr. 61 vom 17. Oktober 2007

Liebe Abonnenten der Betanien-Nachrichen,
hier erhalten Sie die 60. Ausgabe unseres Nachrichten-Newsletters. Vielen Dank für Ihr Interesse!
In 1. Samuel 15,22 tadelt Samuel Saul: "Hat der HERR so viel Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder." Samuel wollte sicher nicht die verordneten Opfer gegen Gehorsam ausspielen. Aber schon hier im Alten Testament finden wir ein Beispiel für "geistliche Schlachtopfer" (siehe 1Petr 2,5), die alle Christen Gott darbringen können und sollen. Viele hoffen darauf und schwärmen davon, dass vielleicht wieder ein buchstäblicher Tempel in Jerusalem gebaut wird. Doch durch schlichten Gehorsam gegenüber Gottes Wort dürfen wir etwas vor Gottes Angesicht tun, woran er viel mehr Gefallen hat, als an zeremoniell geschlachteten Tieren!
Saul war ein Pragmatiker, der meinte, selber am besten zu wissen, was gut für Gott sei. So verschonte er die erbeuteten heidnischen Tiere, anstatt den Bann an ihnen zu vollziehen. Aber Gott hat keinen Gefallen an den eigensinnigen Erdichtungen unseres Herzens. Es kommt nicht auf uns und unsere Einfälle an, sondern auf Gottes Wort. An diesem Wort dürfen wir treu und ergeben festhalten. Und wenn wir dann als "Fundamentalisten" verschrien werden, hat die Welt zwar keinen Gefallen an unserer Standhaftigkeit, aber Gott, der allein standhaften Glauben schenken kann.
Herzlich grüßt,
Hans-Werner Deppe

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Martyn Lloyd-Jones
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Große Koalition gegen christliche Fundamentalisten - und die Evangelische Allianz macht mit
(js/hwd) Zur TV-Sendung "Die Hardliner des Herrn", die die ARD am 11. Juli ausstrahlte und die sich gegen "christliche Fundamentalisten" richtete, bekam der Sender viele kritische Reaktionen. So beschloss man, am 7. Oktober in einer weiteren Sendung auch mit Repräsentanten der Evangelikalen darüber zu diskutieren. Teilnehmer waren der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (als Vertreter der Evangelikalen), Prof. em. Erich Geldbach (ehem. Dozent für Ökumenik und Konfessionskunde an der Ruhr-Universität Bochum), Pfarrerin Annette Kick (Weltanschauungsbeauftragte der ev. Kirche in Württemberg) und Prof. Peter Steinacker (Präsident der ev. Kirche von Hessen-Nassau). Der Chefredakteur der HR-Kirchensendung "Horizonte" Meinhard Schmidt-Degenhardt leitete die Runde. Dabei zeigten sich die Diskussionsteilnehmer in ihrer Ablehnung des Fundamentalismus derart einig, dass Schmidt-Degenhardt von einer "Großen Koalition" sprach.

Jürgen Werth: "Ich bin kein Fundamentalist"
Auch Jürgen Werth distanzierte sich ausdrücklich von christlichen Fundamentalisten (O-Ton: "Ich bin kein Fundamentalist") und nannte als definierendes Kennzeichen pauschal ihre Gesprächsunfähigkeit. Mit seiner Distanzierung folgt er anscheinend der Empfehlung des Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands Pfr. Christoph Morgner. Dieser rät davon ab, sich Fundamentalist zu nennen, da man sonst "mit Bomben legenden Hamas-Anhängern, fanatischen Hisbollahs und sonstigen religiösen und politischen Radikalinskis gleichgesetzt" würde (idea-Meldung vom 13.02.07). Idea gab Werth wie folgt wieder: "Die Evangelische Allianz sei eine bunte, breite Bewegung, die jedoch nicht für das Aufkommen neuer Gruppen rechts und links von ihr in Verantwortung genommen werden könne." Das fundamentale Festhalten an der Inspiration der Bibel ist jedoch kein Glaube einer abweichenden, neuen Randgruppe, sondern der herkömmliche christliche Standpunkt schlechthin.

Klare Begriffsdefinition schwierig
Dennoch fiel sowohl Werth als auch den anderen Diskutanten eine Abgrenzung zwischen Fundamentalisten und Evangelikalen schwer, da die Grenzen zwischen beiden manchmal fließend scheinen. Geldbach zufolge sind Fundamentalisten all jene, die die Bibel als irrtumslos und unfehlbar betrachten. Hier ist Jürgen Werths Aussage aufschlussreich, dass die Anzahl derer, die innerhalb der Ev. Allianz noch an der Verbalinspiration der Bibel festhielten, nicht allzu groß sei; die meisten Evangelikalen seien Mitglieder der Landeskirchen und hätten sich deren Position angenähert. Falls diese Einschätzung zutrifft, heißt das nichts anderes, als dass inzwischen die Mehrheit der Evangelikalen der Bibelkritik huldigt und somit - undiplomatisch gesagt - vom biblischen Glauben abgefallen ist.

Scharfe Worte eines liberal-theologischen Baptisten
Prof. Geldbach, der schon in der Vergangenheit bibeltreue Christen mehrfach scharf angegriffen hatte (so behauptete er z. B. in der baptistischen Zeitschrift "Die Gemeinde" vom März 2003, christliche Fundamentalisten seien "durchaus auch zur Gewalt bereit", ja sogar eine "Gefahr für den Weltfrieden"), erwies sich auch in dieser Sendung als streitbarer Mensch. Er sprach vom "Problemwort 'bibeltreu'" und warf den Fundamentalisten vor, sie klebten an Buchstaben, was "Wortterror" sei. Da fragt man sich, ob nach dieser seltsamen Logik ein Richter, der sich an Recht und Gesetz hält, nicht als "Paragraphenterrorist" bezeichnet werden müsste. Geldbach distanzierte sich zudem vom Kreationismus, den er wie auch andere Diskussionsteilnehmer heftig kritisierte. Geldbach warnte davor, dass sich die gemäßigten Gruppen in der Ev. Allianz zu sehr von Fundamentalisten einbinden lassen.

Berufsverbot für bibeltreue Christen?
Frau Kick hielt gar das Engagement von Absolventen bibeltreuer Ausbildungsstätten in Kirchengemeinden für eine "Gefahr", ebenso auch die Tätigkeit christlicher Fundamentalisten im Bereich von Medien oder Verlagen. - Das klingt ja ganz wie der Ruf nach einem Berufsverbot für bibeltreue Christen. Sollten also christliche Verlage und Ausbildungsstätten, die von der irrtumslosen Verbalinspiration der Bibel ausgehen, verboten werden? Scheinbar möchte da jemand gerne den Großinquisitor spielen.

Zuckerbrot und Peitsche: entweder Vereinnahmung oder Ausgrenzung
Ähnlich kritisch äußerte sich Prof. Steinacker: "Fundamentalismus ist mit Gewalt verbunden gegen Menschen, die meinen Glauben nicht teilen." - Man darf sich fragen, ob solche Aussagen nicht auf Steinacker und Gesinnungsgenossen zurückfallen, denn jahrhundertelang haben schließlich die Landeskirchen friedliche "fundamentalistische" Freikirchen gewaltsam verfolgt.
Andererseits würde Steinacker auch gerne die Frommen mit ins Boot von Landeskirche oder Ökumene holen. Ebenso wie Werth sieht er eine Annäherung zwischen Landeskirche und Pietisten, die er als "Schatz der Kirche" bezeichnete, "den man nicht herablassend behandeln sollte". Dass er damit nicht alleine steht, zeigt eine idea-Meldung vom 23.09.07. Danach buhlt auch Friedrich Weber, Bischof der braunschweigischen Landeskirche und Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen", um die Evangelikalen: Er nannte die Pietisten "das Salz in der Suppe der Landeskirche"; als "gefährlich" hingegen bezeichnete er "christliche ebenso wie islamische Fundamentalisten", die von Evangelikalen zu unterscheiden seien.

Fazit
Bibelgegründeter Glaube gerät öffentlich immer mehr unter Druck und Verachtung. Dass diese Diskriminierung auch von liberaltheologischen Landeskirchlern ausgeht, ist nicht neu. Dass Vertreter der Evangelikalen sich aber der Koalition gegen "christlichen Fundamentalismus" anschließen und sich damit u.a. von der Verbalinspiration distanzieren, ist hingegen sehr bedenklich. Ist man vor dem öffentlichen Druck eingeknickt oder ist das wirklich der Standpunkt?
Eine aufschlussreiche Zitatensammlung zur aktuellen Fundamentalismus-Debatte in Deutschland findet sich im Internet unter
http://www.fundamentalismusdebatte.de/evangelikale/index2.html

Was ist eigentlich "Fundamentalismus"?
(js) Die Ausdrücke "Fundamentalismus" und "Fundamentalisten" wurden 1920 in Anlehnung an die Aufsatzreihe "The Fundamentals: A Testimony To The Truth" geprägt ("Die Grundlagen: ein Zeugnis für die Wahrheit"). Diese wurde zuerst zwischen 1910 und 1915 veröffentlicht und danach mehrfach neu aufgelegt (z. T. in überarbeiteter Fassung). Insbesondere verteidigte man darin die Heilige Schrift gegen die Bibelkritik, und wie der Titel schon sagt, ging es um das, was von Anfang an die Grundlage des christlichen Glaubens war. Fundamentalismus ist also keine Erfindung des 19. oder 20. Jahrhunderts. Auch die Reformatoren waren in diesem Sinne "Fundamentalisten". Man kann sich daher nicht auf das reformatorische "Sola Scriptura" berufen und zugleich den Fundamentalismus ablehnen. Jürgen Werth hätte besser seine Hausaufgaben gemacht statt bibeltreue Christen öffentlich zu verleumden.
Zu den Verfassern der "Fundamentals" zählen namhafte amerikanische und britische Theologen wie Reuben Archer Torrey, James Orr, Arno C. Gaebelein, Benjamin B. Warfield, C. I. Scofield, Thomas Spurgeon, Arthur T. Pierson u. a. Unter ihnen sind sowohl Dispensationalisten als auch nicht-dispensationalistische Theologen. Es ist daher unzutreffend, dass der Dispensationalismus (wie Geldbach behauptet) die Grundlage des Fundamentalismus bilde.
So formulierte z. B. die Generalversammlung der Presbyterian Church (reformierte Kirche in den USA) 1910 in den später "Five Fundamentals" genannten Grundsätzen die Anliegen der Fundamentalisten: 1. die Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel; 2. die Geburt Jesu Christi durch eine Jungfrau und seine ewige Gottheit; 3. das stellvertretende Sühneopfer Jesu Christi am Kreuz; 4. die leibliche Auferstehung Jesu Christi sowie 5. seine leibliche Wiederkunft (nachzulesen beispielsweise in dem nicht fundamentalistisch, sondern historisch-kritisch geprägten Lexikon "Die Religion in Geschichte und Gegenwart").
Übrigens: was den oft bemühten Vergleich zum Islam betrifft, so könnte kein Moslem diese fünf Punkte unterschreiben.

Spätere Bedeutungsverschiebung
"Fundamentalismus" ist also ein genuin christlicher Begriff. Wie kommt es dann, dass man heutzutage darunter meist die Weltanschauung Bomben legender Terroristen versteht? Es ist das Ergebnis jahrelanger Begriffsverdrehung durch Meinungsmacher, die meist durch eine dezidiert antichristliche Haltung auffallen. (Interessant ist dabei, dass dieselben Demagogen gegenüber dem Islam eine oft bemerkenswerte Sympathie an den Tag legen und diesen gerne verharmlosen, wenn sie ihn nicht gerade als Buhmann benutzen, um bibeltreue Christen in ein- und denselben Topf zu werfen.)
Zuerst begann die westliche Presse um 1980, im Zusammenhang mit der islamischen Revolution im Iran deren Vertreter (islamische) "Fundamentalisten" zu nennen. Zwar wehrten sich anfangs noch Islamkenner wie Peter Scholl-Latour gegen diese Fehlbezeichnung, doch der Begriff setzte sich durch und erfuhr so eine Bedeutungswandlung von "Verteidiger der christlichen Glaubensgrundlagen" zu "gemeingefährlicher religiöser Fanatiker".

Europarat will Kreationismus bekämpfen
(hwd) Die "Parlamentarische Versammlung des Europarats" hat am 4. Oktober 2007 in ihrer 35. Sitzung erneut über die Anti-Kreationismus-Resolution "Die Gefahren der Schöpfungslehre im Bildungswesen" abgestimmt und die Resolution angenommen. Der vorherige Entwurf war zunächst wegen der Schärfe der Formulierung abgelehnt worden. Diesmal stimmten jedoch 45 Parlamentarier dafür, 25 dagegen, 3 enthielten sich (Deutschland: 2 dagegen, 1 Enthaltung). In der Resolution heißt es: "Wenn wir nicht acht geben, könnte der Kreationismus zu einer Bedrohung für die Menschenrechte werden."
Ein Blick auf den Text der Resolution zeigt, welch "evolutionistischer Fundamentalismus" sich dahinter verbirgt: Man verwehrt sich dagegen, dass die Evolutionstheorie, wie von Kreationisten behauptet, "nur eine Interpretation [naturwissenschaftlicher Fakten] unter anderen" ist. "Die Haltung ,alles ist gleich(wertig)' mag tolerant erscheinen, ist aber in Wirklichkeit gefährlich". Insbesondere der sich wissenschaftlich gebende Zweig des Kreationismus, das "Intelligent Design" sei "gefährlich". Das "Ablehnen der Evolution" könne "schwerwiegende Folgen für die Entwicklung unserer Gesellschaft haben". Es würde ein "Krieg gegen die Evolutionstheorie" geführt, und der "entspringt meistens Formen von religiösem Extremismus, der eng verbunden ist mit politischen Bewegungen des rechten Flügels. Die Kreationistische Bewegung hat wirkliche politische Macht . einige ihrer Vertreter wollen die Demokratie durch Theokratie ersetzen."
"Alle führenden Repräsentanten der wichtigsten monotheistischen Religionen haben eine wesentlich moderatere Haltung eingenommen: Papst Benedikt XVI . Papst Johannes Paul II." "Wenn wir nicht aufpassen, werden die Werte, die das Wesen des Europarates ausmachen, unter direkte Bedrohung von kreationistischen Fundamentalisten geraten. Es gehört zur Aufgabe der Parlamentarier dieses Rates, zu handeln, ehe es zu spät ist." "Das Parlament ruft die Mitgliedsstaaten daher auf . die Lehre des Kreationismus als wissenschaftliche Disziplin zu bekämpfen [to firmly oppose] . und sich jeglicher Präsentation kreationistischen Gedankenguts in jedem anderen Fach außer Religion zu widersetzen." (Übersetzung: H.W. Deppe)
Der Text im englischen Original ist einsehbar unter http://assembly.coe.int/Main.asp?link=/Documents/AdoptedText/ta07/ERES1580.htm

Gerth Medien künftig unter katholischer Leitung
(hwd) Bereits vor zwei Jahren hat Klaus Gerth seinen Verlag Gerth Medien an die Bertelsmann-Tochter Random House verkauft, fungierte aber noch weiter als Verlagsleiter. Zum 1. Januar 2008 gibt er nun diesen Posten auf, sein Nachfolger wird sein "Wunschkandidat" Ralf Markmeier.
Der Katholik Ralf Markmeier leitet auch das ursprünglich evangelische, heute interreligiös-ökumenische "Gütersloher Verlagshaus", wo er u.a. nicht nur die "Bibel in gerechter Sprache, sondern auch den Koran verlegt. Das "Gütersloher Verlagshaus" ist das eigentliche Stammhaus des heutigen Bergelsmann-Konzerns. Anfang 2007 war Markmeier auch beim Papst persönlich gewesen, um ihm ein Buch aus seinem Verlag zu überreichen (Martin Lohmann: Maximum - Wie der Papst Deutschland verändert).

Quo vadis, Bibelschule Wiedenest?
(red.) Bereits in den Betanien-Nachrichten Nr. 54 berichteten wir über zunehmende bibelkritische Einflüsse an der Bibelschule Wiedenest; als Beispiele nannten wir u. a. das dortige Magister-Programm in Zusammenarbeit mit der staatlichen Universität von Südafrika (UNISA). In diesem Zusammenhang wiesen wir auf eine Magisterarbeit von Tobias Raths über paulinische Theologie hin, in der eindeutig liberale und bibelkritische Kompromisse eingegangen werden.
Aber dies ist kein Einzelfall (siehe die auf www.gbfe.org  und www.unisa.ac.za  veröffentlichten akademischen Arbeiten). In einer von Prof. Christoph Stenschke verantworteten Magisterarbeit von Marco Lindörfer übernimmt der Autor die bibelkritische Annahme, der Apostel Paulus habe (wie auch die anderen Autoren des NT) das AT im Lichte frühjüdischer Auslegungsmethoden uminterpretiert. Für Lindörfer ist dies kein Problem, weil er meint, dass diese (willkürliche!) Art der Auslegung damals legitim gewesen sei und damit auch das Evangelium des Paulus (vgl. S. 226-230).
Interessanterweise sieht Lindörfer diese Auslegungsmethode aus heutiger Sicht nicht ohne weiteres als "legitim" an. Er schreibt: "Die Auslegungsmethoden der damaligen Zeit sind heute sicherlich zu hinterfragen" (S. 230). Allerdings zieht er daraus nicht wie die historisch-kritische Theologie die logische Konsequenz, im Evangelium ein künstliches Produkt frühjüdisch-exegetischer Willkür von Jesus-Sektierern zu sehen, das mit den wirklichen Aussagen des AT keinerlei Verbindung hätte. Lindörfer versucht eine abgemilderte, vermittelnde Position zu beziehen, was ihm aber offensichtlich nicht gelingt.
Lindörfer übersieht auch, dass trotz weniger formaler Ähnlichkeiten mit der frühjüdischen Exegese die Auslegung des AT durch das NT einzigartig, weil christologisch ist. Allein schon die zahlreichen und elementaren Unterschiede und Widersprüche zum Frühjudentum widersprechen der Annahme, die urchristliche Exegese sei nichts anderes als eine Kopie der (willkürlichen) frühjüdischen Exegese gewesen. Aus diesem Grund kritisieren bedeutende evangelikale Exegeten wie Donald Carson oder Gregory Beale (auf die Lindörfer ebensowenig eingeht wie auf Josef Ernst u. a.) eine solche These. Paulus macht zudem nirgends deutlich, dass seine Interpretation (mit der anderer Rabbiner) zur Diskussion stand; andere Auslegungen nennt Paulus schlicht falsch.
Interessant ist auch, zu welchen praktischen Konsequenzen Lindörfers Arbeit führt. So sieht er in der von ihm postulierten (früh)jüdischen Anlehnung der neutestamentlichen Autoren eine "Chance der Annäherung zwischen beiden Religionen", die "eine interessante Perspektive für den Dialog zwischen Juden und Christen" eröffne. "Der Versuch der Annäherung und Begegnung wird dabei kein endloses Vorhaben bleiben, die verschiedenen Interpretationen auszugleichen, sondern wird die gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung beider Religionen nebeneinander, welches über viele Jahre schmerzlich vermisst wurde, zum Ziel haben" (S. 235).
Bei solchen Aussagen muss man sich fragen, ob Lindörfer den Römerbrief überhaupt richtig gelesen oder ihn lediglich im Licht fragwürdiger Ideen analysiert hat. An anderer Stelle wirbt er aufgrund seiner Theorien für eine kommunikative Verkündigung: "Dabei sind der kreativen Vielfalt der Verkündigungsform keine Grenzen gesetzt. Entscheidend ist, dass diese Form rhetorisch ansprechend, zeitnah und damit verständlich, empfängerorientiert, für die Hörer nachvollziehbar vermittelt werden kann und sich inhaltlich an die aus der Schrift gewonnenen Erkenntnisse hält." Wenn er damit seine eigenen "aus der Schrift gewonnenen Erkenntnisse" meint, dann kann man nur noch den Kopf schütteln.
Auch im Wiedenester Fachbereich Missiologie, der vom mehr oder weniger charismatisch-liberalen Dozenten Prof. Johannes Reimer geleitet wird, findet man einige Belege für unbiblische Tendenzen, z.B. die Doktorarbeit von Daniel Schott über die Evangelisation des Extrem-Pfingstlers Reinhard Bonnke. Darin wird auf unwissenschaftliche und hermeneutisch unhaltbare Weise die Theologie und vor allem die Person Reinhard Bonnkes glorifiziert. Beim Lesen der Arbeit entsteht der Eindruck, als sei Bonnke eine Art Inkarnation des Evangelisten Philippus. Hier wird in einer von Wiedenest verantworteten Arbeit - noch dazu auf akademisch niveaulose Weise - extreme charismatische Theologie verbreitet.
Unterstrichen wird diese Tendenz auch in dem von Wiedenest herausgegebenen Büchlein "Gott hören und staunen" (edition Wiedenest 2006). Dort widerspricht z.B. der Wiedenester Lehrer Horst Afflerbach sich selbst, indem er erst schreibt, dass "es kein Wort Gottes außerhalb der Schrift" gibt und "alle Versuche, Gottes Wort außerhalb der Schrift zu hören" im Irrtum verlaufen (S. 290), dann aber sagt, dass Gott auch heute wie damals durch Träume, Prophetien und Visionen rede (S. 30): "Wer wollte Gott in seinem Reden einengen?" Muss man solches Reden nicht doppelzüngig nennen? Ähnlich argumentieren auch die übrigen Autoren (vgl. S. 41: "Träume und Visionen" etc.).
Wenn man bedenkt, dass der Wiedenester Leiter Gerd Goldmann noch kürzlich Vorwürfe zurückwies, in Wiedenest seien bibelkritische oder charismatische Einflüsse vorhanden, dann sind diese gegenteiligen Fakten schon sehr bedenklich.
Ein weiteres Negativbeispiel (man könnte noch andere nennen) ist die von der Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa (GBFE) verantwortete Magisterarbeit von Simon Kaldewey, der darin willkürlich und akademisch niveaulos spekuliert, es werde im Himmel auch Menschen geben, die nicht allein aus Glauben an Christus gerettet wurden. Als Beispiele nennt er u.a. Unerreichte und fragt: "Was ist mit Menschen, die aufgrund von bitteren und traumatisierenden Erlebnissen keine freie Entscheidung mehr treffen können? Was, wenn die Lebenszeit zu Ende geht, und [...] ein Mensch [nicht] zum Glauben oder zu einem Bekenntnis finden kann? Auch solchen Menschen gegenüber muss Zweifel aufkommen, ob die neutestamentlichen Kriterien, die zur Aufnahme in das Gottesvolk führen, hier Geltung erlangen" (S. 129).
Außerdem behauptet er, dass es nach dem Tod noch eine Möglichkeit des Heils gäbe (S. 131). "Die Rechtfertigung in Jesus wird auf irgendeine Weise auch außerhalb des Gottesvolkes in Anspruch genommen werden. [...] Sie wird im Vertrauen wachsen, dass dort, wo Menschen dem Ruf ins Gottesvolk nicht folgen können [...] noch ein anderer Weg offen steht: Der Weg zu den himmlischen Nationen" (S. 137f). "Es wird ihm neue Hoffnung geben, Menschen im Himmel wiederzusehen, die sich nicht 'bekehrt' haben" (S. 140).
Nun, Wiedenest geht mit großen Schritten voran - aber wohin? Magister- und Doktorarbeiten durchtränkt von Bibelkritik, liberaler Theologie und extremer Charismatik. Sind das die evangelikalen Mitarbeiter der Zukunft? Angesichts dessen, dass die Bibelschule Wiedenest vor 100 Jahren gegründet wurde, um eine bibeltreue Zurüstung für den Dienst des Herrn zu bieten, macht es uns traurig, diese Entwicklung zu sehen. Wir wollen nicht Kritik um der Kritik willen betreiben. Wir würden uns freuen, wenn unsere Stellungnahme dazu führte, dass die Bibelschule Wiedenest wieder zu schriftgemäßer Lehre zurückfindet. Falls aber nicht, dann sollten bibeltreue Christen und Gemeinden sich gut überlegen, ob sie ihre Leute an solche Ausbildungsstätten schicken bzw. diese unterstützen.

[Nachtrag 24.10.07: Aufgrund einiger Rückfragen möchten wir, um Missverständnisse zu vermeiden, Folgendes ergänzen: Uns ging es nicht darum zu behaupten, dass die akademischen Arbeiten belegen, dass die Wiedenester Dozenten selber Bibelkritiker sind. Es ging uns lediglich darum anhand veröffentlichter Fakten festzustellen, dass die Bibelschule Wiedenest bibelkritische Kompromisse eingeht (bzw. Ihre Studenten zu solchen anleitet), damit die UNISA die akademischen Arbeiten akzeptiert (siehe BN 54). Denn warum sollte ein "bibeltreuer Student" an einer "bibeltreuen Bibelschule" sonst solche bibelkritischen Aussagen treffen? Zudem stellt sich die Frage, ob die Bibelschule Wiedenest ihrem eigenen Anspruch gerecht wird, bibeltreue und fähige Mitarbeiter auszubilden. Sie selber bezeichnen sich als Ausbildung "gegen den Strom". Alle unsere Aussagen beruhen auf veröffentlichten Fakten, die jeder nachprüfen kann. Bezüglich der charismatisch-liberalen Einflüsse durch Johannes Reimer möchten wir auf einen entsprechenden Artikel in der CLV-Zeitschrift "Fest und Treu" 3/07 hinweisen]

Christenverfolgung

Indischer Missionar erschossen
(js) Am 19. September wurde der 38-jährige Missionar Ajay Kumar Topno in der Nähe des Dorfes Sehada (Bundesstaat Jharkand) erschossen aufgefunden. Topno, ein Mitarbeiter von Trans World Radio, hatte sich drei Tag zuvor dorthin aufgemacht, um eine Gruppe von Radiohörern zu besuchen, die zum Glauben an Christus gekommen waren. Die örtliche Polizei verdächtigt Hindu-Extremisten der Tat, die zuvor die Konvertiten mehrfach bedroht und gewaltsam versucht hatten, sie zum Hinduismus zurück zu bekehren. Sie ist zuversichtlich, dass die Täter gefasst und zur Verantwortung gezogen würden. Der indische Christenrat teilte mit, die christliche Minderheit sei durch diese Bluttat sehr verängstigt.

Sudan: Islamischer Terrorist reißt sechs Kinder mit in den Tod
(js) Ein ehemaliger sudanesischer Soldat arabischer Herkunft hat in einer Baptistengemeinde in Khor Fulus (Südsudan) eine Handgranate gezündet und dadurch neben sich selbst sechs Kinder getötet. Zehn weitere Personen wurden bei dem Attentat verletzt, unter ihnen auch der Pastor der Gemeinde.

Leiter der christlichen Buchhandlung Gaza ermordet
(js) Rami Khader Ayyad (32), Leiter der christlichen Buchhandlung in Gaza, wurde am Abend des 6. Oktober entführt und am nächsten Tag ermordet aufgefunden. Seine Leiche wies Schussverletzungen, Messerstiche und offene Knochenbrüche auf. Ayyad, der ursprünglich römisch-katholisch war und sich nach seiner Bekehrung einer Bapstistengemeinde anschloss, hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach Morddrohungen von moslemischen Extremisten erhalten; auf die Buchhandlung wurden seinerzeit auch zwei Bombenanschläge verübt, die lediglich Sachschaden verursachten (s. Betanien-Nachrichten 47). Ayyad hinterlässt eine Frau und zwei Kinder; seine Frau ist derzeit mit dem dritten Kind schwanger.

Christen in der Türkei existenziell bedroht
(js) Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, hat nach einem Besuch verschiedener Kirchen in der Türkei deren Existenz für bedroht erklärt. Buß kritisierte, die türkische Regierung arbeite darauf hin, die Kirchen "auszutrocknen". Derzeit leben in der Türkei etwa 100.000 Angehörige christlicher Kirchen; davon sind 65.000 Mitglieder der armenischen bzw. der syrisch-orthodoxen Kirche. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten ihnen noch etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung an. Seitdem sind zahlreiche Christen aus dem Land geflüchtet bzw. ausgewandert. Die meisten verbliebenen Kirchengemeinden sind überaltert. Buß warf der türkischen Regierung vor, sie verlasse sich darauf, dass das Christenproblem sich "biologisch" löse. Er forderte die Europäische Union auf, der Lage der Christen in der Türkei größere Priorität einzuräumen.
Die türkische Regierung diskriminiert Christen auf vielfältige Weise: ihnen ist die Ausbildung von Geistlichen, der Bau von Kirchen wie auch die Weitergabe der aramäischen Sprache verboten. Ferner ist im türkischen Personalausweis die Religionszugehörigkeit angegeben, so dass Christen bei Polizeikontrollen von Schikanen bedroht sind.

Christenverfolgung nimmt weltweit zu
(js) Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die evangelische Nachrichtenagentur idea mitteilen, nimmt die Christenverfolgung weltweit immer größere Ausmaße an. Das "Jahrbuch 'Märtyrer 2007'", das beide Organisationen gemeinsam herausgeben, führt hierzu zahlreiche Beispiele auf. So seien etwa seit Beginn des Irak-Kriegs drei Viertel der einheimischen Christen vor Verfolgung ins Ausland geflohen. Weltweit werde jeder zehnte Christ bedroht. Besonders schlimm sei die Situation in islamischen und kommunistischen Staaten. Als herausragende Negativbeispiele wurden u. a. Pakistan und Nordkorea genannt. Max Klingberg, Sprecher der IGFM, beklagte diesbezüglich eine erschreckende Gleichgültigkeit der westlichen Gesellschaft gegenüber der Entrechtung von Christen.

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© 2007 bei den Autoren. Beiträge von Joachim Schmitsdorf und Hans-Werner Deppe

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